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Lange, gesund, glücklich – ein Hundeleben?!

Warum muss die Berner Sennenhündin, kein Jahr alt, schon an Hüfte und Ellenbogen operiert werden, weil ihr sonst unerträgliche Schmerzen drohen? Warum stirbt der Labrador nach kurzem Sprint mit fünf plötzlich an Herzversagen? Warum bekommen zwei von drei Golden Retrievern in Amerika Krebs?

Warum lebt ein Hund, vor allem ein großer, nicht länger als 12 Jahre? Und warum gilt vieles auch für Mischlinge, von denen ja behauptet wird, dass sie deutlich länger leben als ihre reinrassigen Leidensgenossen – im Schnitt sind es auch nur 1,6 Jahre länger (immerhin); aber auch sie werden von vererbten Krankheiten geplagt.

Vor zehn Jahren recherchierte ich das erste mal in Sachen: Das Geschäft mit dem (Rasse)-Hund. Es ging dabei um Vermehrer von reinrassigen Hunden, also Züchtern, für die Rassehunde ein Geschäftsmodel war:  es galt, so schnell wie möglich und so viele wie möglich zu züchten.

Diese Vermehrer haben wir dann mit versteckter Kamera besucht, in abgelegen Hinterhöfen in Berlin oder versteckt im Wald bei Dortmund; wenn wir Glück hatten – im Sinne der Reportage Glück, ansonsten war das grauenvoll mit an sehen zu müssen -, dann haben wir auch ihre weiblichen Zuchttiere gesehen. Die lassen solche Vermehrer häufig solange und sooft austragen, bis sie diese dann “entsorgen” müssen – das geschieht häufig per Kleinanzeige: „Bild-hübscher Golden Retriever an gute Hände abzugeben“; unter schlechten hatte die arme Kreatur ja auch lang genug gelitten. Hatten die Züchter kein schlechtes Gewissen? Nicht, dass sie es uns wissen ließen. Der Hund, eine Sache…

Es folgten noch ein paar dieser Beiträge, letztlich ging es immer um das gleiche: die Züchter versuchten, schnell möglichst viele Welpen auf den Markt zu bringen, womöglich züchtete man im Hobbykeller gleich auch verschiedene Rassen.

Eine weiteres Geschäftsmodell, Geld an reinrassigen Hunden zu verdienen, halfen wir auch aufzudecken: man kauft sie auf dem Schwarzmarkt im ärmeren Osten  Europas. Es macht einen krank, eine LKW-Ladung voll mit kleinen Welpen und anderen armen Kreaturen auf vier (oder manchmal nur drei) Beinen zu sehen, die in den reichen Westen gebracht werden, um hier vielleicht für ein Zehntel von dem verkauft zu werden, was ein normaler Züchter dafür verlangen würde.

Zudem müsste den Käufern klar sein: der Welpe ist eine genetische Zeitbomben, wie es ein Tierarzt formulierte. Was weiß mans schon von den Eltern dieser Tiere? Nichts. Und ahnt: Schreckliches.

Welche Rassen gerade am meisten gefragt ist, ändert sich von Zeit zu Zeit: Nach dem Disney-Film waren Dalmatiner schick, nach einer Werbung plötzlich Mopse. Dass erstere zu hoher Prozentzahl taub auf die Welt kommen können und die Möpse früh an Herzversagen sterben, weil das Herz immer auf Hochtouren laufen muss, um die schwere Atemnot auszugleichen, diese Zusammenhänge erfuhr ich erst, als ich mich noch intensiver um den Rasse-Hund kümmerte:

Meine beiden 45-Minuten Filme beim WDR (Viel Rasse, wenig Klasse – Das Geschäft mit der Hundezucht, 2011 and 2013.) waren durch einen BBC-Film inspiriert: Jemima Harrisons  Pedigree dogs exposed (2008). Ihr Film hatte in England, dem Mutterland der Hundezucht, für großes Aufsehen gesorgt. Um zu sehen, was sich fünf Jahre nach Ausstrahlung geändert hatte, fuhren wir 2013 nach Birmingham, zur Crufts, der weltgrößten Hundeausstellung, und trafen dort die Autorin. Empfangen wurden wir mit der kernigen Aussage:

Man muss die Finger stetig in die Wunde stecken, sonst ändert sich nichts.

Wenn´s auch manchmal eklig ist: Das haben wir dann auch gemacht! Ob und wie sich das Hunde-Züchten in Great Britain verändert hat, das gibts im nächsten Post;-)

Danke für´s Lesen!!
Philipp

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